Die sexuelle Anziehung ist Produkt von Zufall und vorübergehenden Stimmungslagen: Diese Ansicht ist inzwischen überholt, denn die Evolutionsbiologie hat erkannt, dass sexuelle Anziehung ein wichtiges Moment ist, um die Fortpflanzung der Gene anzubahnen. Zwar vermeiden Menschen bei vielen sexuellen Kontakten die Möglichkeit zur Fortpflanzung, doch die Gene, die verdeckt ihre Handlungen bestimmen, haben in den Jahrmillionen der Evolution Programme entwickelt, die automatisierte Muster immer wieder neu aktivieren. Deshalb stehen Männer – auch bei der sexuellen Anziehung – auf Frauen, die schlank und groß sind und über große Brüste den Fortpflanzungserfolg darstellen können. Frauen hingegen haben eine starke sexuelle Anziehung in Bezug auf Männer, die über gute Ressourcen verfügen, um sich und dem potentiellen Nachwuchs eine bessere Überlebensperspektive zu sichern.

Symmetrie und sexuelle Anziehung

Sexuelle-AnziehungenForscher haben Befragten in aller Welt Fotos der Gesichter von Personen des anderen Geschlechts gezeigt. Dabei wurde aber ein Trick angewandt. Die Fotos wurden mehr und mehr hinsichtlich der Symmetrie manipuliert. Das Ergebnis der Befragung war eindeutig: Eine sexuelle Anziehungskraft wurde vor allen bei den symmetrischen Fotos festgestellt. Symmetrie könnte als Indikator für Gesundheit stehen. Man fühlt sich eher hingezogen zu Menschen, die gesund sind, weil man dann damit rechnen kann, dass der Nachwuchs auch gesund wird. Obwohl bei einer sexuellen Interaktion die Frage des Nachwuchses eher als Problem eingestuft wird, möchte man eher Sex mit Leuten haben, die Gesundheit und Vitalität ausstrahlen. Witzig ist auch, dass die Fotos Erfolg hatten, die über Durchschnittsbildung generiert wurden. Der Durchschnitt ist also sexy, ein Ergebnis, dass man vorher nicht unbedingt erwartet hätte.

Details zur sexuellen Anziehung

Entsprechende Untersuchungen, die bei Männern und Frauen in aller Welt umgesetzt wurden, bringen noch mehr Details über die sexuelle Anziehung ans Licht: Frauen stehen auf Dominanz, zumindest wenn sie das Kinn oder die Augenbrauen bewerten müssen. Hier kann ein Zusammenhang zu den Hormonen angenommen werden. Testosteron ist bei Männern stärker vorhanden, wenn diese im Gesicht typische markante Merkmale zeigen und Frauen stehen auf Männer, die über viel Testosteron verfügen, also kräftig zupacken können. Weibliche Rundungen ziehen Männer an, da ist es sicher kein Zufall, wenn Frauen mit hohem Östrogen-Anteil stärker über entsprechenden Rundungen an Bauch, Po und Busen verfügen.

Die sexuelle Anziehung steht somit in einem gewissen Gegensatz zum Trend in der Modebranche, wo androgyne Models ohne auffallende Rundungen seit vielen Jahren die Laufstege dominieren. Doch der normale Mann steht bei sexueller Anziehung auf Modells vom Typ Claudia Schiffer oder Heidi Klum, obwohl letztere in ihrer international sehr erfolgreichen Fernsehsendung ein anderes Frauenbild propagiert.

Die sexuelle Anziehung: Kein Buch mit sieben Siegeln

Wie diese und weitere Untersuchungen zeigen können, ist die sexuelle Anziehung kein rätselhaftes Phänomen, sondern eine berechenbare Größe. Was bei Männern und Frauen in plötzlichen Momenten scheinbar zufällig auftritt, hat einen gut aufgeklärten evolutionsbiologischen Hintergrund.

Bildquellen: © Jörg Brinckheger / pixelio.de

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